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Mönche
und Nonnen in Deutschland -
Traum oder Trauma? |
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von Daw Aggañāṇī
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Es gibt bekanntlich drei "Juwelen", zu denen wir Buddhisten Zuflucht nehmen. Buddha und Dhamma - ja, was aber ist der Saṅgha? Die Betrachtung über den Saṅgha (Saṅghānussati) gibt uns Hinweise, welche Personen zu dieser Art von Saṅgha zu rechnen sind: Die vier Personenpaare oder acht Einzelpersonen. Die vier Paare von (edlen) Personen sind der Stromeingetretene (Sotāpanna), der Einmalwiederkehrer (Sakadāgāmī), der Niemalswiederkehrer (Anāgāmī) und der Arahat. Wenn davon jeweils Pfad (magga) und Frucht (phala) unterschieden werden, ergeben sich acht einzelne Personen - alle werden Ariya genannt. Diese Ariyas, die realisierten Menschen der Ordensgemeinschaft des Erhabenen, praktizieren gut, aufrecht, folgen dem rechten Weg, den der Buddha gewiesen hat und selbst vorgegangen ist, und sind deshalb verehrungswürdig, der Gaben und Geschenke würdig, des ehrfurchtsvollen Grußes und der Gastfreundschaft. Dieser "Ariya-Saṅgha" ist ein unvergleichliches Feld, um Verdienste in dieser Welt zu erwerben. Und es ist im eigentlichen Sinne dieser Ariya-Saṅgha, zu dem der Buddhist Zuflucht nimmt, und nicht eine beliebige Gruppe von Mönchen oder Nonnen oder eine weltliche Gemeinschaft, die eigene Meditationsgruppe genauso wenig wie der Sport- oder Kaninchenzüchterverein. Da man heutzutage nicht so leicht diesen Ariyas begegnet, und schon gar nicht einer Ordensgemeinschaft, die nur aus Ariyas besteht - was sollen wir mit dem dritten Juwel machen? Die Westler definieren den Saṅgha dann schnell um, als Gruppe Gleichgesinnter oder als "Gemeinschaft aller Lebewesen", wie es auch in einigen Mahāyāna-Schulen üblich ist. Die Asiaten lösen das Problem anders: Alles, was eine Robe an hat, wird verehrt, gilt als dem Saṅgha zugehörig, repräsentiert den Buddha und seinen Ariya-Saṅgha. Das fällt solange nicht schwer, wie die Mönche und Nonnen das ernsthaft leben und üben, was ihre traditionelle Robe repräsentiert. Auch haben die Ordinierten, insbesondere die Mönche, Jahrhunderte, ja Jahrtausende lang die Lehre des Buddha bewahrt, konnten sie erklären und weitergeben, die Praxis anleiten oder begleiten, sowie die sozialen Bedürfnisse der Laien nach Ratschlägen, Trost und Ritualen erfüllen, vor allem bei Schicksalsschlägen wie Krankheit, Verlust und Tod. Aber Mönche - und seltener auch Nonnen - werden in Asien auch oft nur deswegen unterstützt, weil sie den weltlichen Vergnügungen entsagt haben, die Regeln des Buddha praktizieren und - vielleicht zurückgezogen - meditieren. Für die Gesellschaft tun diese Ordinierten ja erst mal direkt gar nichts. Deshalb scheint das für den Westen ganz unnütz. Wer schon würde hier einen Mönch/eine Nonne unterstützen, der/die sich aus der Gesellschaft zurückgezogen hat und "nur" meditiert? Das sind doch Aussteiger, Faulpelze, die nicht arbeiten und für ihren eigenen Lebensunterhalt sorgen wollen, Schmarotzer, Parasiten, Asoziale, Versager oder "Klemmis", die nicht mit ihrer Sexualität zurecht kommen! In unserer Leistungsgesellschaft werden Mönche und Nonnen nach dem beurteilt, was sie leisten. Sind sie redegewandt und kompromissbereit für den gefragten "Dhamma-light" und die "Wellness-Meditation", so haben sie als Dhamma- oder Meditationslehrer einen einigermaßen guten Stand. Aber muss man dafür ordiniert sein? Es gibt reichlich Laienlehrer, die dies genauso können, und mit denen auch einfacher und ungezwungener umgegangen werden kann, die Geld für den Dhamma verlangen oder großzügige Spendenempfehlungen abgeben, vielleicht sogar echt auf Dāna-Basis arbeiten und auch dann überleben können, wenn mal nichts oder nur sehr wenig gegeben wird, weil sie ja noch einen weltlichen Beruf, Rücklagen oder Rückhalt in einer Partnerschaft haben. Das vereinfacht die Sache doch sehr. Warum also monastische Lehrer? Warum gar Mönche und Nonnen hierzulande, die nichts weitergeben, oder wenn, dann oft sehr traditionell, kompromisslos wortgetreu, die viel von Anicca, Dukkha, Anattā und von Asubha-Praxis sprechen und die unbeliebten Werte wie Nekkhamma (Entsagung), Enthaltsamkeit, Zölibat, Verlöschen usw. hoch preisen - mit denen man doch eigentlich gar nichts zu tun haben will. Schließlich will man doch durch die Dhamma- bzw. Meditationspraxis nur glücklicher werden, durch Achtsamkeit all die weltlichen Freuden noch besser genießen können - natürlich "ohne Anhaftung", so meint man in seiner Verblendung. Aber bloß nichts aufgeben - ein bisschen Luxus und Bequemlichkeit ist doch nur legitim, ganz natürlich, und schließlich hat man sie sich doch mit eigenem guten Karma erwirkt. Ja, und gut essen und trinken - auch mal ein Gläschen Wein oder Bier -, was ist denn schon dabei, das ist doch nicht unethisch, und man schadet doch niemandem damit. Genauso mit Partnerschaften und Beziehungen, mit Familie und Kindern. Richtig im Leben stehen. Da können die Ordinierten doch gar nicht mitreden, sie leben ja am Leben vorbei! "Askese ist Käse" - warum aber bitte empfiehlt der Buddha Entsagung, Bedürfnislosigkeit oder gar die asketischen Übungen (dhutaṅga)? Und der Mittlere Weg wird gar oft zitiert und damit der eigene Lebensstil gerechtfertigt. Warum also Entsagung? Wozu Mönche und Nonnen? Oft, wenn die Westler nicht gar anti-monastisch eingestellt sind - was häufig der Fall ist -, sieht man im Mönchs- und Nonnentum nur einen "alternativen Lebensweg", den man toleriert und im besten Fall wohlwollend belächelt. Genügt also der Laien-Buddhismus? Ich bin für mich zu dem Entschluss gekommen, dass mir der Laien-Buddhismus nicht genügt. Wenn man Nibbāna wirklich - ehrlich! - anstrebt, ist das Mönchs- bzw. Nonnenleben immer noch das Beste. Liest man die Sutten, so wird das Mönchs- und Nonnentum, ihr einfaches, bescheidenes, edles Leben immer wieder gepriesen. Warum wohl - wenn es als Laie doch auch oder gar besser geht? Das Sāmaññaphala-Sutta (die Lehrrede von den Früchten des Asketen-Lebens) im Dīgha-Nikāya (D 2) z.B. gibt viele gute Gründe. Viele Laien (oder wenige?) kennen es und Laien-Dhammalehrer lehren es vielleicht sogar. Aber haben sie verstanden? Haben sie wirklich tief verstanden, um was es da geht, was es aufzugeben gilt und was man dafür gewinnt? Zu diesem Gedanken möchte ich Jeanne Marie Guyon (Buddhistischer Kalender, Michael Zeh Verlag) zitieren: "Wer etwas weiß und nicht danach handelt, weiß es nur unvollkommen, sonst würde er danach handeln." Meine Meinung ist: Wenn man Dukkha als universelle Wahrheit aller bedingten Phänomene wirklich erkannt und tief, ganz tief geschaut und verstanden hat, wie kann man noch als Laie leben und sich im Saṃsāra vergnügen? Durch das Sehen von Dukkha, aber auch von Anicca und Anattā wird Saṃvega erzeugt, eine Art Furcht vor allem Bedingten, eine Ernüchterung und Desillusionierung, und daraus resultierend eine ganz natürliche Abwendung von allem Weltlichen, eine Dringlichkeit zu praktizieren, dem brennenden Haus zu entfliehen, alles Bedingte zugunsten des Unbedingten zurückzulassen. Da muss man sich nicht zwanghaft enthalten, nichts versagen oder verkneifen: Der "heilige Wandel" oder das edle Verhalten reift von alleine heran. Mit den Worten von Sardaung Sayadaw U Paññāka aus Myanmar: "Zuerst arbeitet der einzelne Praktizierende mit dem Dhamma, führt die Praxis an. Später arbeitet der Dhamma mit dem Praktizierenden, übernimmt die Führungsposition und leitet ihn automatisch weiter. In diesem Stadium muss die Person dem Dhamma folgen, sie kann nicht mehr anders." Also Mönch bzw. Nonne werden? Um den Weg besser, schneller, effektiver gehen zu können? Um mehr Zeit für die Praxis der Meditation zu haben? Um die Tradition des Buddha und der authentischen Dhamma-Weitergabe fortzuführen, so wie seit 2500 Jahren? Um Vorbild für andere zu sein? Um als Dhamma-/Meditationslehrer ernster genommen zu werden? Um das eigene Ideal zu repräsentieren? Um sich selbst zu ermutigen, die Stange zu halten? Zu Letzterem hilft die Robe tatsächlich - mir jedenfalls. Auch wenn sie im westlichen Alltag und Klima oft unpraktisch und lästig ist, sie fordert viel Achtsamkeit im Tragen und erinnert tagtäglich unzählige Male an den Weg und das Ziel, an den Buddha und die vielen Nachfolger, die es ebenso geschafft haben oder mit Eifer und Hingabe auf der authentischen Überlieferungslinie praktizieren und uns dabei vielleicht schon eine Nasenlänge voraus sind. Bei all den kleinen und größeren Durchhängern hilf mir die Robe sehr; sie ermutigt mich wieder, mahnt mich zur Praxis und rein äußerlich gesehen zum rechten Verhalten, denn Hiri und Ottappa (Gewissensscheu und Skrupel) bewahren mich vor unethischem Verhalten und schlechtem Benehmen. In der Öffentlichkeit stehe ich durch die Robe für etwas ein - und das ist nicht immer angenehm. Wenn es mir gut geht und ich mich stark fühle, kein Problem, sollen mich doch die Leute anglotzen - aber wie unangenehm, wenn bei mir als noch Übende, noch nicht Perfekte, Gier oder Aversion, Angst und Frust durchbrechen, wenn ich mich dem Stress und der Überforderung nicht gewachsen fühle ...? Tja, "Nonne werden ist nicht schwer (zumindest in asiatischen Ländern kriegt man die Ordination recht leicht), Nonne sein dagegen sehr!" (Mönch natürlich genauso.) Und was, wenn die ursprüngliche Inspiration, der ursprüngliche Wunsch nach dem authentischen Leben eines Buddha-Nachfolgers, nach Zeit für Dhamma-Studien und/ oder intensiver Meditation sich als unrealistisch herausstellt? So mussten wir schon beim ersten Saṅgha-Treffen in Deutschland (seit 2004 jährliche Treffen der deutschsprachigen Vinaya-Ordinierten) feststellen, dass fast alle Ordinierten, die in Deutschland leben und wirken, sich überfordert fühlen, ausgebeutet werden und über Mangel an Zeit für Meditation, Dhamma-Studium und eigene Weiterentwicklung klagen. Manche sagen sogar, als Laie im Beruf hätten sie mehr Zeit für Meditation gehabt. Mönche und Nonnen werden im Westen gern von ihren Klöstern oder Zentren als billige oder kostenlose Arbeitskräfte genutzt, und wenn die angestellten Laien Feierabend haben, kann man dem Mönch/der Nonne ja noch mehr aufbürden, denn er/sie hat ja keine Familie, lebt doch für den Dhamma ...! Ist es das, wofür wir Mönche bzw. Nonnen geworden sind? Sitzen wir einem unrealistischen Ideal auf, das nur in die asiatische Welt passt, das sich gar nicht hierher transferieren lässt? Für die Mehrzahl der asiatischen Ordinierten, die im Westen leben, stellt sich diese Frage nicht, sie und ihre Landsleute haben die eigene asiatische Kultur und buddhistische Tradition mitgebracht, ihre oft großen Gemeinschaften unterstützen sie großzügig mit den vier Requisiten und mehr. Sehr wenige von uns Mönchen und Nonnen hier haben die Rahmenbedingungen, die es uns ermöglichen, wirklich strikt nach dem Vinaya zu leben zu können. Die meisten Laien haben wenig Verständnis dafür, kennen die Regeln kaum oder wenden sie sogar zu ihren Gunsten an: Da vereinbart man den Termin mit dem Mönch am Nachmittag, um ja nicht in die Verlegenheit zu kommen, Essen offerieren zu müssen; oder nach dem Dhamma-Seminar heißt es: "Du darfst ja kein Geld annehmen." Wie praktisch, da kann man doch das Dāna im Spendenkörbchen selber behalten oder für das Zentrum verbuchen. Die Fahrkarte wird ja meist bezahlt, aber dass für die Vorbereitung von Kursmaterial EDV-, Papier-, Druck- und Kopierkosten anfallen, vielleicht Lexika und Bücher benötigt werden, man dazu irgendwo in einer halbwegs warmen Stube sitzen möchte, abgesichert durch eine Krankenversicherung ..., das wird übersehen oder nicht ernst genommen. Es ist leider für die meisten von uns nicht so, dass wir reiche, einfühlsame Dāyakas (Laien-Unterstützer) haben, die wissen und sehen, was wir brauchen. Hier im Westen haben wir westlichen Mönche und Nonnen auch kein großes, reiches, wohlausgestattetes Kloster hinter uns, wo wir wohnen und gut leben können. Einige, wenige buddhistische Zentren schmücken sich gerne mit einem Mönch oder einer Nonne in exotischen Roben und sind stolz darauf, sich einen Mönch/eine Nonne "zu halten". Die Realität ist also oft bitter und das Überleben als Mönch oder Nonne schwer in der Diaspora. Kompromisse und Abstriche beim Vinaya werden von den meisten Laien oder auch Ordinierten anderer Traditionen erwartet oder gar gefordert - oder aber von den Hardlinern kritisiert. Also aufgeben, wie so viele westliche Ordinierte in Europa? Ist Mönch-/Nonne-Sein hier nicht wirklich möglich, nicht erwünscht, nicht zweckmäßig, unrealistisch? Oder sich über alle Regeln hinwegsetzen, die Robe nutzen und leben, wie man will? Natürlich nein - aber wo ist die Supervision und/oder die Anbindung an eine lebendige Tradition in Asien? Oder in ein Land gehen, wo der Saṅgha geschätzt wird? Zurück nach Asien? Die meisten westlichen Theravāda-Ordinierten leben in Asien - und die meisten wollen nicht zurück. Generell nicht, oder weil sie wissen, wie schwierig oder gar unmöglich es in ihren Heimatländern ist, als Mönch oder Nonne zu leben, zu überleben? Kehren sie allerdings heim aus Asien, meist um hier "etwas" für den Dhamma zu tun, fühlen sich viele von uns als zwischen den Welten stehend, haus- und heimatlos, als Fremde hier wie dort. Wohin gehören wir? Gibt es überhaupt irgendwo einen Platz für uns? Trotz aller Kultur- und Sprachbarrieren, in Asien lebt sich's leichter als Mönch - als Nonne nicht unbedingt. Also da leben, wo es uns leicht gemacht wird? Oder können wir es nicht auch als Aufgabe sehen, den ordinierten Saṅgha nach dem Westen zu transferieren und versuchen, ihn hier zu etablieren - so wie ja der Dhamma auch hierher gebracht wurde (und noch wird)? Wir sind Pioniere und aller Anfang ist schwer. Die deutsche und überhaupt die westliche Kultur ist nicht gerade förderlich dazu. Wenn wir nur irgendwie einen Sinn, eine Lebensberechtigung des Mönchs- und Nonnentums sehen, dann bedarf es auch der mutigen Mönche und Nonnen, die beginnen, die vor den Schwierigkeiten nicht zurückschrecken, die viel Enthusiasmus, Hingabe, Dhamma-Wissen, aber auch Verständnis, Ausdauer und Geduld mitbringen. Und es wird vermutlich noch lange ein heikler Balanceakt sein zwischen authentischem Mönchs- bzw. Nonnenleben nach dem Vinaya und Kompromissen und Anpassungen, die die "fremde" Kultur der Heimat hier fordert und verlangt. Die
meisten Laien und viele Ordinierte sprechen zu schnell und leichtfertig
über Anpassen, Ändern oder gar Abschaffen von Regeln. Eine
gewisse Reform der Regeln und vor allem auch neue Regeln im Geiste
des Buddha wären sicher angebracht - man denke nur an die Hightech-Landschaft
mit all den verführerischen Angeboten und Möglichkeiten.
Aber wer schon ist weise oder erleuchtet genug, um wagen zu können,
den Vinaya zu reformieren? Besser also die alten, bewährten
Regeln des Sammāsambuddha zu bewahren, gegen den Strom
zu schwimmen, zu balancieren.
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